
Anmeldung zum Georgstag 2025
6. April 2025
Ein Pfadfinderjahr in Bildern – 2025
3. März 2026Wir waren gerade mit dem Putzen fertig, der Essiggeruch des selbst gemischten Reinigers hing noch in der Luft, als Sheri, Gail und Jeffrey zu Fuß von der Alten Synagoge die Wesselbachstraße entlang auf uns zukamen. Drei ältere Menschen, die uns sehr herzlich begrüßten. Schnell kamen wir ins Gespräch und wo im Englischen Worte fehlten, halfen Gesten, Blicke, Lächeln. „Wir wollten einfach etwas Greifbares tun, um die Erinnerung wach zu halten“, erklärte Jana, die vor über drei Jahren zu den Pfadis gehörte, die die Stolperstein-Putzaktion ins Leben riefen, den Nachfahren von Rolf Stern, der als einziger seiner Familie die Naziherrschaft überlebte.
Sonnenblumen umrahmten die Stolpersteine der Familie Stern in und Gail Stern erzählte davon, wie ihr Vater, Rolf Stern, als 15jähriger allein in den USA ankam, durch einen Kindertransport gerettet, aber nicht ahnend, dass er seine Eltern und seine Schwester nie wiedersehen sollte. Wie die Familie aus Baltimore vor etwas mehr als zehn Jahren endlich erfuhr, was genau Auguste, Julius und Margot Stern erleiden mussten, beschreibt Sheri Stern, Frau von Jeffrey Stern und Schwiegertochter von Rolf, in ihrem Buch „Reuniting the Neshamas“. Die „Wiedervereinigung der Seelen“ symbolisieren die Steine in der Wesselbach für die Familie, ein Ort zum Gedenken, zum Trauern, ein Ort, der einem Grab am nächsten kommt. Seit einigen Jahren kommen die Sterns immer wieder nach Hohenlimburg, um genau das zu tun.



Dieses Jahr kamen Gail, Jeffrey und Sheri wieder in die Heimatstadt ihres Vaters und Schwiegervaters, um an der Verlegung der Stolpersteine für die Eheleute Meyer in der Freiheitsstraße teilzunehmen. Im Vorfeld schon trugen sie über Stefan Welzel die Bitte an uns heran, die Kinder und Jugendlichen, die seit Jahren das Gedenken ihrer Familie durch die jährliche Putzaktion bewahren, kennenzulernen. So trafen wir uns am Morgen des 9. Oktober in der Wesselbach.



Gemeinsam mit den Sterns gingen wir durch die Innenstadt, entlang der Namensinstallation, die Schüler*innen des Gymnasiums Hohenlimburg gestaltet hatten, um ab 11 Uhr der Feierstunde zur Verlegung der Steine für Meyer und Jeannette Meyer beizuwohnen. Eine große Gruppe Menschen hörte den Reden zu, gedachte des Schicksals der beiden Hohenlimburger Eheleuten. Um 11.45 Uhr erklang das jüdische Lied „Shalom Chaverim“ vom Rathaus-Glockenspiel – dauerhafte Mahnung, im Bemühen um Frieden, Toleranz und Verständigung nicht nachzulassen. Die Stolpersteine sind nur ein Puzzlestück in diesem Bemühen. Für unsere Jugendlichen kommen nun Gesichter hinzu – Gesichter von Menschen, die Geschichte greifbar machen. In einer Zeit, in der die Zeitzeugen immer weniger werden, dafür die politischen und gesellschaftlichen Ausfälle in Hass und Hetze immer mehr, ist die menschliche Verbindung wichtiger als bloßes Wissen. Die Sterns kennengelernt zu haben, war uns ein Geschenk und eine Verpflichtung, laut zu bleiben. Nie wieder ist jetzt. Nie wieder ist hier.




