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25. April 2026Woran denkt ihr, wenn ihr „Comer See“ hört? Blauer Himmel, weiße Segelboote auf dem See, Luxusvillen am Ufer, la dolce vita? Nicht falsch – aber unser Sommerlager 2026 hatte nur sehr entfernt mit dieser Vorstellung zu tun. Es war eher… rustikal. Wild und schwierig, von Herausforderungen geprägt. Und trotzdem wunderschön.






Der Pfadfinderzeltplatz „Campo Scuola Kelly“ der italienischen AGESCI, der katholischen Pfadfinderorganisation, liegt auf einer bewaldeten Halbinsel etwa 300 Meter oberhalb des Comer Sees in Colico. Traumhafte Aussicht auf den See, viel Platz für unterschiedliche Bereiche im Lager, Ruhe und Abgeschiedenheit, aber auch lange, steile Wege zum Platz, Außenduschen mit kaltem Wasser, Strom je nach Sonnenstand und Funktionsfähigkeit der platzeigenen PV-Anlage. So mussten wir unser Zelt- und Küchenmaterial vom benachbarten Bauern mit einem Allrad-Pritschenfahrzeug die steilen Geröllwege hochbringen lassen – unsere Transporter hätten die Wege weder geschafft noch unbeschadet überstanden. Die Außendusche hatten wir am zweiten Tag bereits in eine blickdicht verhangene Wellness-Oase umgebaut – und so oft, wie Menschen glückselig aus dem Provisorium aus Sonnensegeln und Decken kamen, schien es gar nicht schlimm, dass das Wasser kalt war.





Kein Wunder, denn es war warm. Unser Programm mit Schwimmen und Kanufahren an den ersten Tagen passte hervorragend. Sehr warm, sehr sonnig – zumindest bis am dritten Tag abends ein heftiges Gewitter über unserer Halbinsel niederging und sinflutartige Regenmengen unseren Platz fluteten. Da wir vorher schon überlegt hatten, was im Falle eines solchen Unwetters (die in der Region nicht selten sind) zu tun wäre, verbrachten alle die Nacht und den darauffolgenden Tag im festen Steinhaus. Sicher, trocken – aber auch hier weit entfernt von Luxus. Schließlich teilten wir uns die beiden Räume nicht nur mit insgesamt 41 Menschen, sondern auch mit mindestens einem sehr niedlichen, aber sehr lauten Siebenschläfer, der eindeutig die älteren Rechte am Haus hatte und uns regelmäßig erbost anquietschte. Nach einer weiteren Nacht und einem zweiten, halben Tag voller Regen (und indoor Programm) kam aber doch am späten Nachmittag des fünften Tages wieder die Sonne heraus. Un cappuccino in spiaggia für die Leitungsrunde, freie Zeit, um Colico zu erkunden und natürlich gelato für alle – die Lebensgeister waren wieder geweckt.














Mit dem besseren Wetter wurden dann – zeitlich versetzt – die Stufentage angegangen. Rings um den See waren wir unterwegs, besichtigten die Schlucht von Bellano, bewunderten die traumhaft schöne (und unfassbar volle) Altstadt von Varenna, wanderten am Seeufer entlang, düsten mit dem Schnellboot über den See und eroberten die Modemetropole Mailand auf ganz eigene Art. Dass Pfadis und Rover spezielle Outfits für den Ausflug in die Zivilisation mitgenommen hatten, zahlte sich aus – die Legende besagt, dass einzelne Menschen bei Prada und Louis Vuitton tatsächlich NICHT rausgeworfen wurden… Beinahe jeder Ausflug wurde mit einem kurzen Stop am Seeufer und planschen im flachen Seewasser abgeschlossen. Schwimmen im See statt Dusche war – man munkelt bei Wölflingen und Juffis – ein Ding. Dumm nur, dass nach dem Aufstieg hoch zum Platz doch wieder alle durchgeschwitzt waren.











Die letzten zwei Nächte verbrachten wir wieder außerhalb unserer Zelte – die einen in Hängematten, die anderen unter freiem Himmel auf Planen, denn die Zelte waren schon wieder auf dem Weg den Berg herunter. David, unser freundlicher Nachbar, hatte an unserem Abreisetag keine Zeit, uns mit dem Pritschenwagen auszuhelfen. So improvisierten wir ein weiteres Mal. Unter den Sternen zu schlafen, ist immer ein Highlight! Fast alle Kinder hatten Lust auf das Abenteuer, weshalb wir gut auf die Zelte verzichten konnten. Natürlich gab es die Möglichkeit, wieder ins Steinhaus auszuweichen – ungewohnt, aber in diesem Sommer wirklich ein Glücksfall. Ein Glücksfall war auch der Hinweis unseres Platzguides Francesco, zum Sonnenaufgang auf den höchsten Punkt der Halbinsel, den Montecchio Sud zu wandern – traumhafte Sonnenaufgangsbilder inklusive.









Am vorletzten Abend trafen wir eine französische Gruppe Pfadfinder, die auf dem niedriger gelegenen Nachbarplatz ihr Lager aufgeschlagen hatten. Ein gemeinsamer Abend mit Spielen, Reden mit Händen und Füßen, einem Grillbuffet (von uns) und 150 Crepes zum Nachtisch (von der französischen Gruppe) endete beim Singen am Lagerfeuer und dem Versprechen des jüngsten Wölflings im Lager. Mehrstimmige Chansons und bündische Lieder wechselten sich ab, das Feuer flackerte und trotz aller Herausforderungen des Platzes, des Wetters, der (wie immer unvermeidlichen) Krankenhaus-Besuche war die Magie zu spüren, die jedes Sommerlager so besonders macht.

Fazit: Italien und besonders die Region um den Comer See ist unglaublich schön. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit – und wenn Probleme auftauchen, werden sie schon irgendwann gelöst. Irgendwann. Nicht sofort. Aber irgendwann. Das eine früher, das andere später. Unsere Kinder und Jugendlichen sind großartig – sie haben bei all den unvorhergesehenen Schwierigkeiten mitgezogen, haben mit angepackt, sich neuen Herausforderungen gestellt und sind daran gewachsen. Sie haben zwei (beinahe fremde) Kinder in die Gruppe integriert, sich gegenseitig geholfen und uns Leitende unterstützt. Das sehr junge Orgateam, das beinahe komplett aus neuen Leitenden bestand, hat immer nach Lösungen gesucht und viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Die Runde der Menschen, die hinter den Kulissen oder im Küchenteam den Stamm unterstützen, ist gewachsen. Und wir alle haben wieder mal für die kommenden Jahre viele, viele Geschichten von Konfusion, Verwirrung und Happy End zu erzählen.




